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Die achtsame Führungskraft

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Die achtsame Führungskraft

Andreas Dittrich

ACHTSAMKEIT


Im heutigen Zeitalter der Digitalisierung werden wir als Menschen direkt nach dem Aufstehen mit Informationen überfrachtet: E-Mails, Radio, Telefon, Nachrichten, Briefe, Anfragen und Rechnungen. Für Menschen in Führungspositionen bedeuten diese neben mehr oder weniger wichtigen Inhalten auch eines: Ablenkung. Dabei hat vor allem für Führungskräfte eine Devise Priorität: Ruhe bewahren und den Fokus halten.

Wie kann dieses Dilemma gelöst werden?

Von Managern und Führungskräften wird erwartet, dass sie in jeder Situation souverän bleiben, immer eine Antwort wissen und vor allem ihre Mitarbeiter entsprechend motivieren und führen, so dass diese sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen und im besten Fall über sich hinauswachsen. Zudem gilt es, das fachliche Pensum zu erledigen und in Einklang mit dem Familienleben zu bringen. Unsere Fähigkeit, den Fokus richtig zu setzen, nimmt immer weiter ab, während die Anforderungen an klares Denken und konsistente Entscheidungen in komplexen Situationen wachsen. Das Stichwort lautet in diesem Fall VUCA (vulnerability, uncertainty, complexity, ambiguity). Burn-out, Stress und Depressionen kommen schließlich nicht von ungefähr. Zeit- und Selbstmanagement-Trainings sind hierbei wichtige Helfer, weil sie Struktur und System in die Arbeitsweise von Führungskräften bringen. Genauso wie Rhetorik- und Mitarbeiterführungsseminare, die im Umgang mit schwierigen oder auch leichten Mitarbeitern unterstützen. Aber diese Angebote beleuchten nur die eine Seite der Medaille. Ich würde sogar die Behauptung wagen, sie kratzen nur an der Oberfläche.

In jedem Chef schlummert eine andere Kompetenz, aus der sich die anderen nahezu von selbst entwickeln können: Die emotionale Intelligenz. Daniel Goleman prägte diesen Begriff bereits vor vielen Jahren. Google ist nur ein Beispiel eines amerikanischen Unternehmens, welches den Begriff in den Arbeitsalltag integriert. Emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, eigene und die Gefühle anderer korrekt wahrzunehmen, zu interpretieren und entsprechend mit ihnen umzugehen. Sie werden mir sicher vorbehaltlos zustimmen, dass eine Führungskraft, die das nahezu perfekt beherrscht, der Traum aller Mitarbeiter ist.

Achtsamkeit plus emotionale Intelligenz gleich perfekter Führungsstil?

Ganz so einfach mag es nicht sein, aber wer als Entscheider Achtsamkeit in seinen Arbeitsalltag integriert, macht einen großen Schritt auf dem Weg zur kompetenten Führungskraft. Achtsamkeit bedeutet, sich urteilsfrei und offen auf das Jetzt zu fokussieren und der Intuition Gehör zu verschaffen. Die Aufmerksamkeit gilt dem Körper und Geist, Gefühlen, Bildern, Stimmen oder Empfindungen, die auftauchen und wichtige Hinweise auf eine aktuelle Situation liefern können.

In diesem Kontext ist es wenig überraschend, dass Achtsamkeit auch ein wichtiger Schlüssel zur Stärkung der emotionalen Intelligenz ist. Durch die Fokussierung auf den Augenblick, auf uns selbst oder auf eine andere Person in diesem Moment, nehmen wir Emotionen automatisch intensiver wahr. Wir sind in der Lage, neutral zuzuhören, die mitschwingenden Gefühle aufzunehmen und entsprechend zu reagieren. Keine impulsiven Handlungen, keine aufbrausenden Worte oder irrationalen Entscheidungen können uns aus der Ruhe bringen – oder aus uns ausbrechen.

Auf den Führungsalltag übertragen bedeutet das, dass eine achtsame Führungskraft mit einer entsprechend hoch ausgeprägten emotionalen Intelligenz folgende Eigenschaften in das Unternehmen einbringt, die meiner Ansicht nach ebenso wesentlich sind wie die fachliche Kompetenz:

  • Konzentration auf Dringendes
  • Souveränität
  • Entscheidungsfreude
  • Ruhe in stürmischen Zeiten
  • Kreativität und Innovationsstärke
  • Empathie
  • Aufmerksame Gesprächsführung
  • Motivationskraft
  • Fähigkeit, die Intuition zu erspüren
  • Leidenschaft
  • Stressresistenz
  • Sinn für Resilienz

Mittlerweile werden die genannten und weitere positive Auswirkungen von Achtsamkeitsübungen durch zahlreiche internationale Studien, unter anderem der Harvard University, Duke University oder der UCLA, belegt. So führte zum Beispiel die Duke University zusammen mit dem drittgrößtem Versicherungsunternehmen Amerikas eine Studie zu Meditation und Yoga am Arbeitsplatz durch. Das Ergebnis zeigte, das regelmäßige Übungen das Stresslevel um 28% senken, die Schlafqualität um 20% verbessern und die Produktivität pro Mitarbeiter pro Woche um 62 Minuten erhöhen.

Wege zur Achtsamkeit und emotionalen Intelligenz

Es gibt viele verschiedene Methoden, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren. Vor allem als eingespannte Führungskraft werden Sie sich jetzt fragen, wo Sie die Zeit hernehmen sollen, um sich mitten am Tag im Lotussitz eine Stunde der Meditation zu widmen. Das müssen Sie aber gar nicht! Vorweg möchte ich aus eigenen Erfahrungen erwähnen, dass die Meditation eines der wichtigsten Tore zur Achtsamkeit ist und definitiv regelmäßig praktiziert werden sollte. Aber es muss keine klassische Sitzmeditation sein – es gibt zahlreiche andere Varianten, die Sie auch zwischendurch für fünf Minuten einbauen können. Weitere, zeitaufwändige Möglichkeiten sind natürlich Yoga oder regelmäßige Retreats. Diese dienen jedoch eher der Vertiefung.

Im Alltag stehen Ihnen zudem zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, Achtsamkeit zu üben und Ihre emotionale Intelligenz zu stärken: Beim Spazieren gehen mit dem Hund, im Gespräch mit einem Freund, im Zug oder im Bus, beim Joggen, beim Einkaufen, beim Musik hören oder beim Putzen. Ich habe für mich entdeckt, dass mir das Putzen deutlich leichter von der Hand geht, wenn ich daraus eine Achtsamkeitsübung mache. Nutzen Sie jede Gelegenheit, um sich dem jetzigen Augenblick, dem Gegenstand oder der Person voll und ganz zu öffnen. Und übertragen Sie dies dann auf Situationen in Ihrem Führungsalltag.

Entscheidungsträger sollten lernen, dass neben den harten Fakten, die nur mit dem Verstand erfasst werden, vor allem die emotionale Komponente eine wesentliche Rolle spielt: Denn nur, wer mit dem Herzen bei der Sache ist, erzielt die gewünschten Ergebnisse und bewegt andere Menschen. Wie also bereits der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh sagte: „The longest journey you will ever take is the eighteen inches from your head to your heart.“ Aber Führungskräfte und Manager, die sich auf diese Reise mit Achtsamkeit begeben, werden schnell merken, dass sie jede Sekunde wert ist – für sich selbst, für ihre Mitarbeiter und für das gesamte Umfeld.